Hier zwei Zeitungsberichte über mich.
Weltwoche 24.02.2000
Von Katrin Meier-Rust – Barfussärzte, fliegende Sekretärinnen, Störköche – Mobilität ist gefragt. Neuester Trend: Der mobile Coach
Wir treffen uns auf dem Parkplatz vor dem Bahnhof. Der Kleinlaster trägt keinen Firmenaufdruck, dafür auf einer Seite eine Reihe schmaler hoher Fenster. Auf der Fahrt zum See reden wir schon so allerlei. «Das ist meistens so», sagt Koni Groher «Das Gespräch beginnt auf der Fahrt, es lässt sich gut reden beim Autofahren.» Der Mann am Steuer ist gross, Mitte fünfzig und was er im Möbelwagen mit sich führt ist seine mobile Praxis .
Ein stiller kleiner Parkplatz direkt am Zürichsee, am Wochenende wohl voll geparkt, heute, am Werktag, ist er verlassen. Gelbe Blätter am Boden, über dem weiss glitzernden See kreisen die Möwen. Wir steigen aus der Fahrerkabine und durch eine kleine seitliche Tür und über ein ausklappares Treppchen durch eine kleine seitliche Tür wieder ein: ins Beratungszimmer.
Koni Groher lebte zwar immer in Zürich, aber beruflich war er mobil längst bevor uns die Globalisierung mit diesem Zauberwort kam. Er begann als Hochbauzeichner, machte sich als Bauleiter selbständig, war Verwalter, führte jahrelang ein eigenes Unternehmen. Eine Konstante habe es aber immer gegeben: Viele Menschen suchten seinen Rat. Deshalb die Lust auf eine Ausbildung, und er machte sie dann in einer Methode, die aus Amerika kommt und einen Kürzel mit drei Buchstaben zum Namen hat.
Nach der Ausbildung suchte Groher nach einem geeigneten Raum für seine Beratungen, überlegte, was ihm dafür wichtig war. Nicht zu teuer sollte er sein, gut erreichbar, die Menschen nicht erstarren lassen, sondern in Bewegung bringen.... „Dann müsstest Du eigentlich im Auto arbeiten“, bemerkte seine Frau. Bei Groher machte es klick: „Am nächsten Tag begann ich einen gebrauchtes Fahrzeug zu suchen.» Den Occasion-Möbelwagen hat er dann selbst umgebaut und eingerichtet: Hohe vertikale Fensterschlitze für Licht und Aussicht, ein blauer Spannteppich, zusammenklappare Stoffsessel, eine Heizung. Als einziger Schmuck ein meditatives Bild. Und ein Koffer natürlich, zu jeder Reise gehört schliesslich ein Koffer. Dieser stammt aus dem Brockenhaus, steht aufrecht als Schrank da und enthält das Büro und die Musikanlage.
Koni Groher sagt niemals Patient, sondern Klient, nicht Therapie, sondern Coaching, «weil ich leider kein besseres deutsches Wort kenne». Die Methode mit der er arbeitet umfasst Elemente der Gestalttherapie, Rollenspiel, Körpersprache und Trance, «Mir geht es darum, an der inneren Wahrnehmung zu arbeiten, unsere eigene Repräsentation der Welt zu verändern» . Manchmal ist es hilfreich, sich dabei bewegen zu können. Da ist es dann praktisch, dass neben dem geparkten Sprechzimmer immer ein Weg beginnt, in den Wald, über die Wiesen.
Groher hat die Hinterwand seines Möbelwagens, eine Hebebühne, hinuntergeklappt: Wir sitzen nun wie auf einer Terrasse im Freien, direkt am See. «Wer hat schon so eine Praxis?» Manche Klienten haben einen Lieblingsplatz, andere lassen sich gerne überraschen. Groher kennt mittlerweile die Stand- und Parkplätze am Waldrand, am Stadtrand, am See, wählt sie je nach Distanz, nach erwünschter Wirkung, nach Tages- und Jahreszeit.
Ein Coaching im Lastwagen dauert rund anderthalb Stunden, die Zeit fürs Abholen und Zurückbringen verrechnet der mobile Therapeut nicht. „Die Krankenkasse bezahlt meine Coachings nicht, in den meisten Fällen zu Recht, wie ich meine, denn meine Klienten sind in der Regel nicht krank, es sind Menschen die sich verändern, ihre Lebenssituation verbessern wollen. Ich leg deshalb Wert darauf, dass wir in kurzer Zeit zum Ziel kommen.“
Nur manchmal stört die Polizei
Wenn möglich, sicher aber beim ersten Treffen holt Groher seine Klienten an ihrem Wohnort ab, so lernt er ihre Lebensumstände kennen. Später verabredet er sich auch an Bahnhöfen, auf Parkplätzen - wo immer es passt. Solch eine kundenorientierte Mobilität rechnet sich allerdings nicht, denn mehr als vier, fünf Sitzungen passen bei dieser Arbeitsweise kaum in einen Tag. Groher kann es sich leisten, grosszügig mit seiner Zeit zu sein, seine Frau verdient mit, die Söhne sind erwachsen.
Auf der Bank nebenan lassen sich jetzt zwei junge Männer nieder, packen das Mittagessen aus, blicken kurz herüber zum Gefährt. Natürlich gibt es manchmal Störungen, doch ein Problem sei das bisher nie gewesen. «Einmal kam ein Jagdhüter, ein andermal zwei Polizisten. Was machen Sie da? - Wir haben eine Besprechung. Die Antwort genügte noch jedesmal.»
Wenn Menschen das Gefühl haben, stecken zu bleiben, mit dem Leben, in einem Problem, dann sei die Frage nach dem warum sinnlos. Wichtig sei dann Bewegung, Veränderung, erklärt der bisher einzige Mobiltherapeut der Schweiz. «Das ist auch die Botschaft die ich mit dem Auto rüber bringen will: ich hole dich dort ab wo du bist und bringe dich in Bewegung.». Dann klappt er die Terrasse hoch und fährt mich zurück auf den Parkplatz vor dem Bahnhof.
Ärztezeitung Oktober 2002
Pünktlich werde ich dort abgeholt, wo ich stehe. Wenige Meter neben mir bringt Koni Groher, in weisser Sommerhose und rotem T-Shirt, seine mobile Praxis am Bahnhof Zürich-Stadelhofen zum stehen. Wir fahren nach Zollikon ins Grüne, während ich es mir neben dem Chauffeur bequem mache. Dem Occasions-Mercedes wurde in Ungarn ein face lifting verabreicht, neuer Motor, Rostschutz und so weiter, sagt der Fahrer, dafür gehe er hier zum Zahnarzt. Den Möbeltransporter hat er als gelernter Bauführer selber umgebaut und bietet darin seit vier Jahren seine mobile Beratung an. Die Standplätze findet er auf öffentlichen Parkplätzen am See oder, wie heute, an einem schattigen Waldrand, wo er rückwärts, möglichst nahe an einem Bächlein parkt. Aus der früheren Hebebühne wird ein kleiner Balkon mit blauem Spannteppich, den er mit zwei bequemen Klappstühlen möbliert. Wir betreten die geräumige Kabine über eine seitliche Alutreppe und nehmen im Schatten der Buchen Platz. Die Nachmittagssonne beleuchtet durch die Blätter das Innere, wo in einem alten Segeltuchkoffer die ganze Praxisadministration inklusive Musikanlage verstaut ist. In der Wand gegenüber dem Eingang geben vier schmale, hohe Fenster den Blick auf die Strasse frei. Die Spotlampen an der Decke sind für die Sprechstunden abends und nachts, eine 5 KW-Heizung sorgt auch bei tiefen Aussentemperaturen für frostfreie Beratungsstunden. Je nach Interventionsbedarf wäre ein kleiner Waldspaziergang von hier aus möglich, doch es ist trotz knatterndem Rasenmäher gemütlich und wir bleiben lieber in der kühlen Walddämmerung sitzen.
Ueber die Blutphobie seiner Ehefrau ist Koni Groher eher zufällig mit der Technik des Neuro-Linguistischen-Programmierens NLP bekannt geworden. Damals habe er berufsbegleitend den Grundkurs und dann noch einmal während 2x10 Tagen den ‚Master’ gemacht und sein Können mit Zusatzkursen in Kommunikation, Hypnose und Provokativer Therapie nach Frank Ferrelly erweitert. Stete Mundpropaganda sorgt für neue Kunden für die er sich als Coach versteht. Sie kommen aus der Agglomeration, aber auch aus Basel, und wenn eine Krise droht fährt er auch an den Wohnsitz, allerdings dann mit der Bahn. Es kämen Menschen, die etwas verändern wollten, Süchtige, Kinder mit Prüfungsängsten, Bulimiker, auch Paare mit Beziehungsproblemen. „Am liebsten begleite ich Veränderungsprozesse. Ich behandle keine kranke Menschen.“ Koni Groher versteht sich als Lebensberater und vermeidet Ausdrücke wie Patient und Therapeut: „Ueber Bulimie muss ich nichts wissen, mich interessiert, was nachher kommt.“ Coaching ist für ihn ein künstlerischer Prozess, den er mit malen oder musizieren vergleicht. Er konzentriere sich auf die Eigenkräfte seiner Kunden, mache Konfliktmuster sichtbar und arbeite lösungsorientiert. Praktische Lebenshilfe, vergleichbar mit der Arbeit eines Geburtshelfers. „Es müssen nicht immer Schweiss und Tränen fliessen. Wut, Verzweiflung und Tränen entstehen weniger beim Lösen der Knoten, als beim Erkennen, dass da überhaupt solche vorhanden sind.“ Ab und zu bespricht er sich mit Fachkollegen oder mit guten Bekannten, die medial oder kinesiologisch behandeln.
Der Arbeiter vom Bauamt ist endlich abgezogen, wir baden ungestört im Vogelgezwitscher. Neben seinem Halbtagsjob in seiner Praxis beschäftigt sich Koni Groher intensiv mit Arbeitslosenprojekten für Jugendliche. Wenn er nicht gerade Technik und Beleuchtung für eine Profibühne besorgt oder gleich selber erfolgreich eine Rolle übernimmt, als Grossvater, Diener, Graf oder Schlitzohr in Ibsens ‚Gespenster.’ Sogar das Auto wird anlässlich des 10-jährigen Jubiläums des PLAYBACK Theaters in Zürich zur Kleinbühne: hereinspaziert, die eigene Geschichte erzählen und schon geht der Vorhang zum professionellen Playback auf.
Ich gestehe, dass ich ein bisschen neidisch bin. Da hat einer seinen Traum verwirklicht, hängt den bisherigen Job an den berühmten Nagel und macht nur noch was und soviel er will, ist dank Erbschaft finanziell unabhängig und hat fast unbeschränkt Zeit für die Probleme der, überwiegend weiblichen, Kundschaft. Kein piesackender Berufsverband, keine lästige Auflagen, keine Bewilligungspflicht, praktisch kein Büro und weit und breit keine Krankenkasse. Wechselnde Aussichten, viel Bewegung, grosse Flexibilität und jede Menge Improvisation. Natürlich werden jetzt alle Profis der Therapeutenszene mit Recht die Stirne runzeln. Ja, der Mann verstösst gegen viele Berufsregeln, er ist sehr bescheiden ausgebildet und er mag einem gelegentlich vorkommen, wie der bekannte Reiter auf dem Weg über den Bodensee.
Was mich an ihm beeindruckt hat ist seine innere Ruhe und spürbare Reife. Er hat das, was kein Fähigkeitszeugnis und kein Spezialarzttitel garantieren können. Auf ihn als engagierten Helfer trifft zu, was der von ihm verehrte Autor Kurt Götz über den Humor aussagt: Neben Geist und Witz setzt er vor allem ein grosses Mass an Herzensgüte voraus. Von Geduld, Nachsicht und Menschenliebe.Das Psychomobil
Artikel in Seesicht 1/04
mvb. Fast 40 Jahre lang war Koni Groher als Bauführer im eigenen
Architekturbüro tätig, sein eigentliches Talent lag aber schon
immer beim Umgang mit Menschen. Grund genug, sich als
Lebensberater neu zu erfinden - mitsamt einem kundenfreundlichem Servicekonzept: Statt in einer festen Praxis finden die
Beratungssitzungen in Grohers umgebautem Lieferwagen mit
«Klappterrasse» und Fensterwand statt. Und zwar dort, wo es
den Klienten gefällt: am See, am Waldrand oder wo immer,
Das ist mehr als nur ein PR-Gag, sagt der Küsnachter: „Ich hole
die Leute dort ab, wo sie sind, und gehe mit ihnen auf die Reise
zu sich selbst“. Vielleicht muss der Klient dann auch mal raus auf
einen Waldweg, dort eine Zeitlinie abschreiten und bedeutende
Ereignisse seines Lebens mit Steinen, Ästen und Zetteln auf
dem Weg markieren.
Groher arbeitet mit NLP-Techniken und setzt stark auf
„Relanguaging“ als Instrument bei seiner Lebensberatung, die
sich munterer Mund-zu-Mund-Propaganda erfreut. Hilfestellung
im Coach-Mobil gibt es etwa bei Beziehungsproblemen, bei
Lern- und Berufsstress, vor schwierigen Entscheidungen, bei
Suchtverhalten oder auch wenn man „Visionen für biografische
Veränderungen“ entwickeln will.
Koni Groher
Rebweg 24,
8700 Küsnacht
Tel. 044 910 78 59
www.konigroher.ch